Pressemitteilung: L14 Grande Finale – Abschied nehmen von einem Ort, der alle willkommen geheißen hat

Pressemitteilung

Fulda, 19.02.2018

L14 Grande Finale – Abschied nehmen von einem Ort, der alle willkommen geheißen hat

Fulda. Jahrzehnte lang schlief das Soziotop „L14“ im Verborgenen. 7000 Quadratmeter im Herzen von Fulda: ein verträumter Ort, engagierten Menschen überlassen, (sozio)kulturelle Angebote zu schaffen, ein Geheimtipp. Die Immobilienwirtschaft hatte das Gelände in der Langebrückenstraße 14 schon länger im Visier. Im August 2016 wurde es vom Gentrifizierungstrend erwischt, alles aufzuhübschen, zu ökonomisieren und stadtplanerisch von oben zu bespielen.

Wer in Fulda nach subkulturellem Vergnügen sucht, tut sich bekanntermaßen schwer. Während die alternative Szene in den anderen Städten zahlreiche Veranstaltungsstätten betreibt, sind derlei Treffpunkte in Fulda gering. Wer am Wochenende keine Lust auf den Trubel in der Altstadt hat, dem bleiben kaum Alternativen. Als im August 2016 der Verkauf des Geländes Langebrückenstraße 14 an ein Fuldaer Investoren Duo bekannt gegeben wurde, traf die Nachricht alle wie ein Schlag in das Gesicht. Mit hunderten Veranstaltungen – Kinofilmen, Konzerten, Hoffesten, dem Handmade Weihnachtsmarkt, Kleidertauschpartys und als Treff für Gruppen von Foodsharing, Attac, KÖK, Djembe bis zu Greenpeace, aber auch dem gemeinsamen Kochen bei der „Küche für alle“, ist das soziokulturelle Zentrum L14 in den letzten Jahren eine Institution für die Fuldaer Kultur geworden.

Ungeplante Orte, die die Stadt braucht

Orte wie das L14 kann man wahrscheinlich nicht planen, weshalb sie oft die ersten Opfer sind, wenn aus ehemaligen Industriebrachen begehrte Neubaugebiete werden. Ende Februar muss der Platz geräumt sein, das Jugendwerk der AWO Nordhessen und die zahlreichen Initiativen werden ihre angestammten Räume verlassen. Da fällt Abschied nehmen natürlich schwer. Vor allem, wenn es um einen Ort geht, der einst alle willkommen geheißen hat und nun einer renditenorientierten Wohnbebauung mit 60 Wohneinheiten weichen muss.

Mit einem Grande Finale werden sich am Samstag, dem 24. Februar 2018 alle Initiativen und Engagierten ein letztes Mal auf dem L14 Gelände gemeinsam präsentieren und mit einem rauschenden Fest verabschieden. Ab 16 Uhr begrüßt die L14 alle Gäste zu einem Winter Hoffest. Heiße Getränke, wärmende Suppe, Feuer und Stockbrot laden zum Verweilen und Austauschen ein. Die „Drums of Panama“ trommeln gegen kalte Füße bevor ab 18 Uhr ein Konzert- und DJ Marathon, die Räume der L14 ein letztes Mal zum Beben bringt. Den Abend sowie die Nacht gestalten die Initiative Hoermahl, die Panama Konzertgruppe, Schabernack Soundsystem und Zirkeltraining sowie die International Soundclash Crew.

Recht auf Stadt für alle

Allen bleiben dann nur noch die Erinnerungen an eine aufregendere, glücklichere Zeit und die Angst vor einer Stadt, in der irgendwann einmal jeder Raum erschlossen sein wird, in der es keine Alternative mehr zum verplanten Leben gibt, nur noch Oberfläche ohne Untergrund. Das wäre dann eine Stadt, ohne urbanes Flair, in der das gute Leben nicht für alle möglich ist und sich weniger Menschen willkommen fühlen werden.

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